„Heiß oder kalt?“ – Das ist hier die Frage. In Japan wird man damit öfter konfrontiert als mit der eigenen Lebensplanung. Wirklich. Fast alles gibt’s in zwei Versionen: heiß oder kalt. Getränke? Klar. Kaffee? Sowieso. Tee? Natürlich. Aber auch Reis, Soba-Nudeln, Udon und Ramen. Warum das Ganze? Nun ja, willkommen im japanischen Sommer. Ab April/Mai geht’s los und zieht sich gemütlich bis in den Oktober. In Tokyo ist dann nicht nur die Luft warm – sie umarmt dich regelrecht. Kein Wunder also, dass man hier seinen Kaffee lieber eiskalt mit Eiswürfeln trinkt und Nudeln nicht dampfend, sondern erfrischend kühl schlürft.

Aus 2 Tatami mach` 1 Haus. Besonders in alten Stadtvierteln begegnen uns immer wieder Häuser, deren der Straße zugewandte Stirnseiten schmal sind. Sehr schmal. Vielleicht 2 Futonlängen breit. Futonlängen und Breiten sind in der japanischen Architektur das Maß aller Dinge, zwei Breiten ergeben immer eine Länge. Der Grund ist ganz einfach, die Steuern wurden früher nach der Länge an der Straße bemessen, also baute man möglichst schmal und nach hinten sehr lang. Eine interessante Bauweise.

Dabei unterscheiden sich, wie bei vielen Dingen, die Maße in Kyoto und östlich davon. Das Kyoto Maß ist wie immer bei der „imperialen Metropole“ etwas größer als im Raum Tokyo und weiter östlich. Eine Kyōto-Tatamimatte misst 191 x 95,5 cm und in Tokyo ist das Edo Maß 176 x 88 cm. In beiden Fällen wirken die Häuser eher wie Zahnstocher, nach hinten hinaus sind sie dafür sehr lang, ähnlich wie die Streckhöfe im Burgenland.

Kyoto ist nicht nur bei diesen Maßen anders. Die Stadt, so erklärt uns Roland Hagenberg, ein österreichischer Journalist und Autor, der seit zwanzig Jahren in Japan lebt, lebt auch heute noch ein imperiales Gehabe ähnlich wie Wien oder Paris. Abgehoben, bezeichnet der Rest der Bevölkerung dieses Verhalten, das sich ganz deutlich in der Sprache, mit ihrer Vieldeutigkeit, dem Schmäh würden wir bei uns sagen, niederschlägt. Nach seiner Interpretation war die Nähe zum Hof, bei dem es immer problematisch war, zu deutlich seine Meinung zu zeigen, dafür verantwortlich.

Kleine Freuden für Yen 400. Regelmäßig fallen uns die Automatengeschäfte auf. Halb offene Geschäfte mit 40-50 Reihen von Automaten, wie wir es aus der Kindheit kennen. Hier zieht man seinen Gewinn für nur 400 Yen. Ein gefühltes, kleines Glück in Form eines Miniautos, einer Kuschelpuppe oder Anhängers.

Straßenfreuden. Die japanische Stadtplanung zeigt Stil. Die Kanaldeckel sind verschieden, reich illustriert.

Und dann, abends in Tokyo. Was machen wir heute Abend? Karaoke oder Jazzband? 

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