Wir starten heute in Nagoya. Vor 2 Tagen wurden in Tokyo 61 Kirschblüten an dem Baum gezählt, dessen Blühbeginn offiziell die Kirschblütenzeit einläutet. Der Shinkansen ist diesmal bummvoll, Kirschblütenzeit ist Zeit des Aufbruchs! Das Shinkansen System steckt das locker weg, durchschnittlich alle 5 Minuten fährt ein Zug von Nagoya nach Tokyo.

Wir nehmen den Hikari Superexpress, bereits in einer Stunde sind wir am Fuß des Mount Fuji. Shizuoka ist berühmt als Tor zum Fuji, aber auch als traditionsreiches Zentrum der Suruga-Bambusverarbeitung. Früher wurden hier Zikaden- und Vogelkäfige hergestellt. Die Spaghettiförmigen Bambusstäbchen HIGO ohne Kanten sind ideal dafür. Heute werden in erster Linie Dekorgegenstände wie Leuchten und Vasen hergestellt.
Shizuoka hat eine sehr positive Ausstrahlung. Viele junge Menschen aber auch die Alten sind ausnehmend gut gekleidet und unterwegs. Die Stimmung ist fröhlich, die Menschen sind freundlicher hat man zumindest den Eindruck. Über einige Jahrhunderte waren die Herrscher von Shizuoka wahrscheinlich einflussreicher als der jeweilige Kaiser. Die Statue von Tokugawa Ieyasu, der hier herrschte und so die Stadt zum Machtzentrum der Edo-Zeit machte, beherrscht heute noch den Bahnhofsvorplatz.
Myabi Andon
Die Suruga Tradition besteht zumindest seit 4 Jahrhunderten. Myabi Andon, der traditionsbetrieb schlechthin, wird von drei Brüdern geführt. Masatoshi Sugiyama, früher Mittelfeldregisseur, heute noch Funktionär beim Erstligisten Shizuoka, führt die Firma in vierter Generation. Seine Brüder sind beide anerkannte Meister der traditionellen Handwerkskunst, tragen einen Titel, den man frühestens nach 13 Jahren Praxis erhalten kann, wenn man eine sehr herausfordernde Prüfung besteht.

Sie können runde Bambusfasern herstellen und verarbeiten, die auf eine Stärke von 1,2 mm reduziert wurden! In ganz Japan gibt es nur mehr 10 Meister, die auf diesem Niveau arbeiten.

Myabi Andon produziert auch den Lampenschirm für Sonnenglas, der seit letztem Jahr auf dem Markt ist und in Europa nur von HABARI vertrieben wird. Die Nachfrage ist riesengroß, wir konnten uns für die zweite Jahreshälfte wieder ein Kontingent sichern.
Masatoshi zeigt uns dann noch, was die Firma sonst noch produziert. Eine Serie von hochwertigsten Lampenschirmen, entworfen für Hotels der allerobersten Kategorie, Paraventverkleidungen, neue Vasenentwürfe, unglaublich was da alles entsteht. Sein Bruder hat uns dann noch in die Geheimnisse der Surugakunst eingeführt. Bambus ausschließlich aus der Region wird verarbeitet.
Die oberste Schicht wird mit abgetragen, die direkt darunter liegende Schicht ist die Einzige, die verarbeitet wird. Sie ist hochelastisch und widerstandsfähig zugleich. Die Biegearbeit erfolgt unter thermischer Einwirkung, dieses Material muss nicht befeuchtet werden, wie das bei minderwertigen Produkten der Fall ist, die sonst brechen würden. Das garantiert aber auch die enorme Haltbarkeit der Fasern.
Etwas außerhalb von Shizuoka zeigt uns Masatoshi dann noch ein Zentrum für Handwerkskunst, das die Stadt gebaut hat.
Direkt neben dem Zentrum wurde ein altes Herrenhaus renoviert, das jetzt als Hotel dient. Immer nur für eine Gruppe von maximal 6 Personen zu mieten, mit eigenem Koch und auf lange Zeit ausgebucht. Wir werden gerne länger geblieben, unser Zeitplan ist wieder einmal viel zu dicht. Zurückkommen müssen wir auf alle Fälle, als gemeinsames Projekt haben wir vereinbart, zwei neue Lampen zu entwickeln, die in limitierter Serie ausschließlich für HABARI aufgelegt werden.
Und dann bleiben noch die vielen anderen Produzenten im Holz-, Keramik- und Textilbereich die wir hier entdeckt haben und der Mount Fuji, der sich auch diesmal erfolgreich vor uns versteckt hat.